Argumente

Wir sehen das Vorhaben eines Gewerbegebietes Voislöhe kritisch, weil zahlreiche Argumente klar gegen ein solches Vorhaben sprechen. Auf dieser Seite stellen wir die wichtigsten davon vor.

Zunächst ist das Gewerbekonzept an vielen Stellen unvollständig bzw. widersprüchlich. Hierzu gibt es noch viele offene Fragen, die wir auf einer eigenen Seite zusammengefasst haben. Es ist daher in dieser Form gar nicht geeignet als Entscheidungsgrundlage.

Vor allem aber setzt die Stadt aus unserer Sicht mit diesem Vorhaben eindeutig die falschen Prioritäten: Statt sich darauf zu besinnen, wo die Stärken der Stadt liegen – nämlich in einem attraktiven Lebensraum in unmittelbarer Nähe zu großen Zentren wie Köln, Bonn oder Düsseldorf – will man die schönsten Stellen für ein weiteres Gewerbegebiet opfern, um in Konkurrenz zu zahlreichen links- und rechtsrheinischen Gewerbe- und Industriegebieten zu treten.Dies halten wir für keine sinnvolle Strategie.

Aus unserer Sicht sollte vielmehr berücksichtigt werden, dass

  • Bergisch Gladbach aus der Attraktivität als Wohn- und Lebensraum heute schon viel mehr Gewinn zieht, als durch Gewerbestandorte.So betragen die erwarteten Einnahmen der Stadt lt. Haushalt 2012 aus Einkommens- und Umsatzsteuer (die auf Basis der Einwohner ermittelt werden) rd. das Doppelte als die Gewerbesteuereinnahmen.Überschlägig bringen der Stadt 20-30 „gutverdienende“ Familien ähnliche Einnahmen, wie ein Gewerbe mit 1 Mio. € zu versteuerndem Gewinn.

    Diese Einnahmequelle wird gefährdet, wenn Bergisch Gladbach als Wohnstandort unattraktiver wird.

  •  die Stadt selbst in ihren Strategischen Zielen (Beschluss vom März 2007, der auch im Haushalt 2012 noch einmal zitiert wird) bekräftigt:

„Die Grünzüge, Grünflächen und Gewässer der Stadt sind als Verbundsystem Teil des attraktiven urbanen Umfeldes und werden geschützt.“ sowie
„Bergisch Gladbach ist ein attraktives touristisches Ziel“

Wir halten es für sinnvoller, dass Bergisch Gladbach sich auf die Stärken – und dazu gehört aus unserer Sicht unbedingt der „grüne“ Charakter – besinnt, und damit für Alt- und Neubürger attraktiv bleibt.

Darüber hinaus sprechen viele weitere sachliche Argumente gegen die Erschließung, die wir hier nur kurz aufzählen:

  • Kein Bedarf für neue Gewerbeflächen – Die Stadt selbst erwartet einen Bedarf an neuen Gewerbeflächen von nur 8 Hektar, die über ein neues Gebiet an der Autobahn (Brüderstraße, 9 Hektar) bereits abgedeckt werden. Zusätzlich ist in naher Zukunft zu erwarten, dass auf dem Gelände der Firma Zander zahlreiche Flächen frei werden. Warum dennoch ein zusätzliches Gebiet mit bis zu 20 Hektar erschlossen werden soll, ist daher unverständlich.
  • Keine Rücksicht auf Freizeit- und Landschaftswert – In der Standortanalyse wird der ganze Bereich „Landschaftsbild“, „Freizeitwert“, „Naherholung“, „Tourismus“ überhaupt nicht berücksichtigt, obwohl das Gebiet rund um den Standort eine überregionale Bedeutung als Freizeit / Naherholungsregion hat (z.B. mit dem Naturfreundehaus Hardt).
  • Schützenswerte Fläche – Bei dem vorgesehenen Standort handelt es sich um eine der letzten verbliebenen unverbauten Höhenlagen von Bergisch Gladbach. Er ist zudem als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Ein Gewerbegebiet an dieser Stelle würde den ländlichen Charakter der Landschaft und den Dorfcharakter der Stadtteile Moitzfeld und Herkenrath zerstören. Hier beginnt zudem ein wichtiger Frischluftkorridor, der über die Hardt und den Lerbacher Wald die Gladbacher Innenstadt erreicht.
  • Alte Pläne – Bereits vor 20 Jahren gab es Bestrebungen, an diesem Standort ein Gewerbegebiet zu erschließen. Nach ersten Standortgutachten wurde dieses Gebiet jedoch als ungeeignet eingestuft – daran sollte sich eigentlich nichts geändert haben.
  • Zweifelhafte Analysen – Die Entscheidung für den Standort Voislöhe basiert auf einem Gutachten eines Dortmunder Büros für die Stadt, das in vielen Punkten widersprüchlich ist. Zahlreiche wichtige Aspekte scheinen dabei gar nicht oder nur am Rande berücksichtigt worden zu sein. Es bestehen daher begründete Zweifel, in wieweit die Untersuchung wirklich objektiv und aussagekräftig sind.
  • Wohnbebauung in der Nachbarschaft – Die Stadt selbst weist darauf hin, dass die unmittelbar angrenzende Wohnbebauung eine Einschränkung darstellt. Dennoch wird der Standort ausdrücklich für Gewerbe mit Belastungen für die Umgebung empfohlen. Die bislang von vielen Familien bevorzugte Wohngegenden Moitzfeld und Herkenrath würden damit massiv entwertet.
  • Verkehrsbelastung – Bereits heute ist die Verkehrsbelastung der Anbindung über die Autobahnauffahrt Moitzfeld überlastet, und wird mit den bereits beschlossenen Gebieten (z.B: Obereschbach, Bockenberg, …) eh weiter zunehmen.
  • Wettbewerb mit Kürten – Aktuell plant die Gemeinde Kürten ein großes Gewerbegebiet in Spitze, dessen Verkehrsanbindung ebenfalls über die Route Herkenrath-/Moitzfeld erfolgen würde. Von Mitgliedern des Bergisch Gladbacher Stadtrats wurde daher empfohlen, mit einer schnellen Erschließung des Gebiets Voislöhe der Gemeinde Kürten „zuvorzukommen“. Ob in einem solchen „Wettbewerb“ noch eine ausführliche und sorgfältige Prüfung aller Argumente stattfindet, ist sicher zweifelhaft.
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5 Antworten zu Argumente

  1. Bondit schreibt:

    Sie haben völlig recht. Besonders das Argument, das einige gut verdienende zusätzliche Bewohner mehr bringen als – evtl. sogar noch durch Zuschüsse angelockte – Gewrbebetriebe.

    Eher sollte mann die Schaffung von zusätzlichemn Wohnraum in attraktiver Umgebung fördern!

    Bondit

  2. Altenrath schreibt:

    Ich finde es eine Schweinerei wir die Politiker über unsere Köpfe hinweg entscheiden, würde einer von ihnen in dem Gebiet wohnen würde niemals eine Industriestandort geben

  3. EX-Sauerländer schreibt:

    Natur zerstören für Gewerbe das vielleicht, wie schon so einige andere Firmen in Bergisch Galdbach, aus den unterschiedlichsten Gründen keine Steuern bezahlen???

  4. Hans schreibt:

    Ich bin zu tiefst entsetzt über Idee eines Gewerbegebiets an dieser Stelle. Da kann es doch mal wieder entgegen jeglichen Menschenverstands nur um Geld gehen. Die Medien sind sofort einzuschalten. Die Politiker müssen interviewed werden und dies einer breiten Öffentlichkeit präsentiert werden – umgehend.
    Des weiteren bin ich schockiert über die Art und Weise wie versucht wird in einer Demokratie die Anwohner „Mundtot“ zu machen und Ihnen jegliche Art des Protests mittels Plakaten und Transparenten untersagt an Stellen wo man vor Wahlen auf die übergroßen Visagen der Politiker schauen MUSS. Diese Plakate möchte ich an diesen exponierten Stellen auf gar keinen Fall mehr sehen.

  5. K. Weber schreibt:

    Die Art und Weise wie gegen den öffentlich Protest der Gegner des Gewerbegebiets vorgegangen wird ( permanente Verfügungen gegen die Plakate und Transparente ) lässt mich sehr an dem demokratischen Vorsatz unserer Gesellschaft zweifeln. Da eine Umsetztung des Gewerbegebiets eine direkte Wertminderungen der Immobilien der Anwohner zu Folge hat kommt dies einer Art Enteignung gleich die ich als zutiefst unmoralisch empfinde zumal es andere Gebiete gibt die nicht die Haushalte von Mitbürgern belasten würde.

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